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Wie geschlossene Fonds die Energiewende fördern

Ginge es nach den Kindern, wäre alle Energie so einfach und sauber zu erzeugen wie auf unserem Bild. Die Realität sah bislang nur zu oft ganz anders aus. Doch die sauberen Energien kommen in diesem Jahrzehnt endlich in Schwung (Bild: Getty Images / Annabelle Breakey)
Nach Fukushima hat ein gesellschaftspolitischer Klimawandel eingesetzt, alte Grabenkämpfe scheinen überwunden. Dass die Energiewende kommen muss, darin sind sich plötzlich alle einig. Nun geht es um die konkrete Ausgestaltung des Ausbaus erneuerbarer Energien – und die entsprechenden Investitionen.
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Eines Tages wird irgendwo in Deutschland ein Großvater seinen Enkeln aus der Zeit erzählen, als er noch auf die Straße ging, um gegen Atomkraftwerke zu demonstrieren. Sich an Bahnschienen kettete, um Atommülltransporte zu verhindern. Gegen umweltbelastende Kohlekraftwerke kämpfte. "Entschuldige, Opa", werden die Enkel dann vielleicht fragen, "was ist ein Atomkraftwerk?"
Dieser Tag könnte, das sagen sogar Experten vom Umweltbundesamt, bereits im Jahr 2050 kommen. Bis dahin sei in Deutschland eine "vollständig auf erneuerbaren Energien beruhende Stromerzeugung" technisch möglich, sogar unter Beibehaltung unseres heutigen Lebensstandards.
Solarenergie, Wind- und Wasserkraft, Strom aus Geothermie und Biomasse könnten dann nachhaltig und vor allem ohne CO2-Belastung die Bundesrepublik versorgen. Die Bundesregierung ist beim Thema Energiewende vorsichtiger und hofft immerhin auf einen 80-Prozent-Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energiemix. Für 2020 sind ihr Ziel 35 Prozent, immerhin fünf Prozent mehr, als sie noch vor der Reaktorkatastrophe in Fukushima anvisiert hatte.
Derzeit stammen in Deutschland 17 Prozent der produzierten Energie aus alternativen Quellen. Dabei könnte jede einzelne dieser Energieformen allein den Weltenergiebedarf – rein theoretisch – mehrfach decken. Schätzungen zufolge würde zum Beispiel schon ein Solarpark von rund 90.000 Quadratkilometern ausreichen – das entspricht etwa einem Prozent der Fläche der Sahara. Eine Zukunftsvision, die vielleicht bald keine mehr ist.
Solarenergie ist derzeit noch die teuerste unter allen erneuerbaren Energieformen. Doch nirgendwo sonst sinken die Kosten so rasch. "Die Anlagenpreise haben sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert", sagt Hermann Klughardt vom einem Emissionshaus, das auf Fonds im Solarbereich spezialisiert ist. "Und da spreche ich nicht von chinesischen Billiganbietern. Eine Photovoltaikanlage, die wir vor anderthalb Jahren in Sizilien gebaut haben, könnten wir heute bereits ohne staatliche Förderung aufstellen. Allerdings auch deshalb, weil es dort einfach mehr Sonne gibt und der Strompreis höher ist."
Obwohl Klughardt seine Solarparks lieber in sonnenreichen Gegenden wie Spanien oder Süditalien aufstellt, sei das Thema auch hierzulande relevant. "Ohne Förderung rechnet sich Photovoltaik hier noch nicht. Aber das Potenzial ist enorm." Laut Agentur für Erneuerbare Energien werden beispielsweise in Berlin von allen geeigneten Dachflächen gerade einmal gut drei Prozent genutzt.
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Noch erhalten Solarenergieproduzenten deshalb die höchste Einspeisevergütung aller regenerativen Energiequellen, um den Ausbau zu fördern. Diese wurde zuletzt im Juli 2011 im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegt und beträgt beispielsweise pro Kilowattstunde Solarstrom bis zu 28,74 Cent, je nach Anlagengröße und Installationsjahr. Finanziert werden diese Vergütungen von allen Stromkunden, sehr zum Missfallen der Verfechter konventioneller Stromquellen.
"Es ist konsequent und logisch, dass wir jetzt dieses Fördersystem brauchen", findet jedoch Hermann Klughardt. "Politisches Ziel ist ja, dass die Förderungen immer weiter runtergehen, je billiger die Anlagen werden. Im Jahr 2015 könnten wir dann ‚Grid Parity‘ erreicht haben." Dann könnte der Strom aus Solaranlagen zu jenem Preis produziert werden, den man für Strom aus dem Netz zahlt.
Nur was tun, wenn tagelang keine Sonne scheint? Dann setzt die Windkraft ein. Studien haben ergeben, dass an sonnenarmen oder regnerischen Tagen als Ausgleich mehr Wind weht. Die am besten geeigneten deutschen Küsten sind zwar längst besetzt, doch "mittlerweile ist es auch rentabel, an den zweitbesten Standorten zu bauen", sagt Alexander Koffka vom Projektentwickler Abo Wind. "Früher waren die Türme bis zu 80 Meter hoch, heute messen sie bis zu 140 Meter ohne Rotor. Bis vor drei Jahren gab es kein Windrad in Waldgebieten, mittlerweile bauen wir dort und sogar auf Kammlagen im Mittelgebirge." Derzeit wird gerade nach Deutschland, Frankreich und Irland der erste Windpark in Schottland gebaut.
Und Koffka sehnt sich manchmal nach den klaren Regularien des Umweltschutzvorreiters Deutschland: "Wenn man alle Auflagen erfüllt, hat man hier eine hohe Rechtssicherheit. Dann wird die Anlage auch genehmigt."
Die Auflagen reichen vom Tier- bis zum Lärmschutz. Die Windräder dürfen weder zu nah an den Nestern gefährdeter Vogelarten stehen, noch in deren Jagdgebiet oder auf dem Weg dorthin oder in der Route von Zugvögeln. Viele Gemeinden haben in ihren Regionalplänen bereits Windvorranggebiete definiert, außerhalb derer keine Anlagen aufgestellt werden dürfen. "Wenn alle an einem Strang ziehen", sagt Koffka, "dauert das Genehmigungsverfahren rund ein Jahr. Von vier Projekten, die man in Angriff nimmt, realisiert man eines. Und das erste in jedem Land ist immer das schwierigste."
Die Zukunft der Windkraft wird im Meer liegen. Allerdings sind Offshore-Windparks extrem kostenintensiv, vor allem, weil sie in Deutschland mindestens 30 Kilometer von der Küste entfernt errichtet werden müssen. Derzeit gibt es gerade einmal zwei solcher Windparks.
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Im idealen Strommix der Zukunft könnten Sonne und Wind durch Energieformen ergänzt werden, die entweder konstant vorhanden sind oder Speicherkapazitäten bieten. Bioenergie wird aus organischen Quellen gewonnen, also aus Holzpellets, Stroh, Tierexkrementen, aber auch aus extra dafür angebautem Mais oder Getreide.
Diese werden entweder zur Stromerzeugung verbrannt oder zu Methangas vergoren, das in Heizkraftwerken verwertet wird. Dieser Strom kann im Bedarfsfall auf Knopfdruck erzeugt werden.
Im Jahr 2010 wurden auf diese Weise bereits knapp sechs Prozent des Strom- und neun Prozent des deutschen Wärmebedarfs gedeckt. Rund um die Uhr produzieren hingegen Geothermiekraftwerke, die aus Tiefen zwischen 2.000 und 4.000 Metern heißes Thermalwasser an die Oberfläche pumpen. Der hierdurch erzeugte Dampf treibt die Turbinen an und wird gleichermaßen zu Heizzwecken verwendet. In Deutschland sind vor allem die oberrheinischen und norddeutschen Tiefebenen sowie das süddeutsche Molassegebiet für diese Art der Energiegewinnung geeignet.
Eine Energiequelle, die ebenfalls so gut wie unabhängig von Tageszeit und Wetter Strom liefert, ist die Wasserkraft. 2010 hat sie zwar nur knapp über drei Prozent zum deutschen Strommix beigetragen. Doch ihr besonderer Vorteil ist, dass Wasserkraftwerke in Spitzenbedarfszeiten vergleichsweise schnell und einfach hinzugeschaltet werden können. In Form von Pumpkraftwerken können Produktionsüberschüsse gespeichert werden.
Hierfür wird Wasser von einem niedrig gelegenen Becken in ein höher gelegenes gepumpt und bei Bedarf wieder zu Tal gelassen, wodurch Stromturbinen angetrieben werden. Wasserkraftwerke haben außerdem eine extrem lange Lebenszeit. "Es gibt Turbinen, die bereits in den 1920er Jahren gebaut wurden", sagt Jan Erik Schulien, der für den Fondsanbieter Aquila Capital gerade den Bau eines neuen Kraftwerks in Bosnien-Herzegowina leitet. Am Fluss Bosna wollte bereits der ehemalige Diktator Tito sechs Kraftwerke errichten. "Die Standorte sind von ihm", sagt Schulien, "aber die Pläne mussten wir alle komplett neu konzipieren."
Obwohl der Bau eines Wasserkraftwerks immer einen massiven Eingriff in eine bestehende Flusslandschaft bedeutet, kann es Vorteile für den Umweltschutz bringen. "Unser Kraftwerk wird gleichzeitig auch Hochwasserschutz für zwei angrenzende Kleinstädte bieten", sagt Schulien, "außerdem werden einige Gebiete erstmals an das Wasserleitungssystem angeschlossen. Es wird eine Fischtreppe geben, und die Wasserqualität wird sich wesentlich verbessern."
Während in Westeuropa und vor allem Deutschland kaum noch Standorte zu finden sind, gibt es im Balkan noch viel zu erschließen. "Wir bauen hier mit 21 Megawatt zwar ein eher kleines Kraftwerk, aber für Bosnien-Herzegowina ist es das erste große."
Profitieren sollen von diesem Ausbau eines Tages nicht nur Anleger, sondern auch alle europäischen Stromkunden. Denn für die Zukunft erträumen Experten nicht weniger als einen gesamteuropäischen Strompool, der von allen Ländern gemäß ihrer effizientesten Angebote gefüllt wird: Solarstrom aus dem sonnenreichen Südeuropa, Wasserkraft aus den flussreichen Ländern, Windenergie aus den Küstengebieten.
"Die größte Herausforderung sind effiziente Stromnetze", sagt Hermann Klughardt. "Es ist ja nicht so, dass es die Technologien nicht schon gäbe, das Projekt muss nur angepackt werden. Aber das ist auch eine Frage der Bürokratie."
Weiterlesen:
» Kapitel 1: Ein Prozent Sahara könnte uns alle mit Strom versorgen
» Kapitel 2: Rechtssicherheit für Investitionen in Deutschland
» Kapitel 3: Großes Potential in Südosteuropa











