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Piratenangriff auf die "Magellan Star"

Die "Magellan Star" kurz vor der Stürmung durch die US-Marine. (Foto: US NAVY, Cmdr. Christopher Nodine)

Die "Magellan Star" kurz vor der Stürmung durch die US-Marine. (Foto: US NAVY, Cmdr. Christopher Nodine)

Der Angriff kam um 8 Uhr morgens: Als die Piraten das Containerschiff "Magellan Star" enterten, hatte die Besatzung sich bereits in Sicherheit gebracht und die Maschine gestoppt. Weil sie das Schiff nicht wieder manövrierfähig machen konnten, fragten die Piraten ausgerechnet die Reederei um Rat – am Telefon.

  • Herr Salamon, was wollten die Piraten von Ihnen, als sie Sie im September vergangenen Jahres nach der Entführung der "Magellan Star" anriefen?

    Zuerst wollten sie wissen, wie sie die Maschine wieder in Gang setzen können. Wir sagten ihnen, dass die Maschine defekt sei. Dann wollten sie wissen, wo sich die Mannschaft aufhält. Wir haben ihnen gesagt, dass die Leute im Urlaub sind. Daraufhin wurden wir wüst beschimpft.

    Wie haben es die Piraten geschafft, das Schiff anzugreifen?

    Die "Magellan Star" war auf einer Projektfahrt von Spanien nach Singapur und bis zur Tragfähigkeitsgrenze mit Schwergut beladen. Entsprechend lag das Schiff tief im Wasser und war hinsichtlich der Manövrierfähigkeit träge. Dadurch konnten keine wirksamen Abwehrmanöver gefahren werden, und die Piraten konnten das Schiff vergleichweise leicht entern.

    Wie hat die Besatzung auf den Angriff reagiert?

    Die Besatzung hat sich vorbildlich verhalten: Sie hat die Aufbauten verriegelt, den Motor abgestellt, sich in den Schutzraum zurückgezogen und uns dann per Satellitentelefon kontinuierlich über ihre Lage informiert.

    Binnen kurzer Zeit war der militärische Begleitschutz vor Ort. Die Piraten ergaben sich widerstandslos. Wie haben Sie den Zustand der Crew nach der Befreiung erlebt?

    Das professionelle Verhalten der Besatzung und der gute Ausgang des Überfalls haben mich sehr glücklich gemacht. Ich habe mich persönlich beim Kapitän und der Mannschaft bedankt, die auch ein Sondergehalt für ihre Leistung erhalten haben. Die Mannschaft hat den Überfall gut überstanden und auch psychisch gut verkraftet. Jedoch waren einige Crew-Mitglieder durch die Erfahrung verängstigt. Diesen Personen haben wir sofort Urlaub und psychologische Hilfestellung gegeben. 

  • Besonders betroffen gemacht hat mich, dass ich bei der Schiffsbegehung feststellen musste, dass die Piraten durch alle verschlossenen Türen geschossen haben. So fand ich ein Projektil auf dem Kopfkissen eines Crew-Mitgliedes. Dies zeigt, dass die Piraten in Kauf genommen haben, Menschen zu verletzen oder gar zu töten. Zuvor war ich wegen des guten Ausgangs des Überfalls und dem schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Hintergrund der somalischen Piraten noch versöhnlich eingestellt. Aber das hat sich mit der Erkenntnis der Brutalität verändert. Das war für mich auch der Anlass, mich zusammen mit der amerikanischen Botschaft dafür einzusetzen, dass Anklage wegen versuchten Mordes erhoben wird.

    Wie beurteilen Sie die Entwicklung hinsichtlich sich häufender Piratenüberfälle?

    Der Teufelskreis nimmt weiter seinen Lauf. Über die erpressten Gelder können die Piraten weiter aufrüsten, vergrößern über Mutterschiffe das Aktionsgebiet und werden zunehmend aggressiver. Gleichzeitig leisten jedoch auch die internationalen Schutztruppen "Atalanta" und "Combined Maritime Forces" immer bessere Arbeit. Sie wehren viele Überfälle ab.

    Was müsste getan werden, um Schiffe vor solchen Übergriffen zu schützen?

    Wir bleiben bis auf weiteres bei unserem erfolgreichen Konzept. Darüber hinaus kann es meines Erachtens eine übergeordnete hoheitliche Lösung der Staatengemeinschaft geben. Das beginnt beim Schutz der Schiffe in den gefährdeten Seegebieten und endet beim Umgang mit festgesetzten Piraten. Hier müssen noch rechtliche Voraussetzungen geschaffen und Lösungen erarbeitet werden.

    Unabhängig davon könnten zur Überwachung des Seegebietes und zur Abwehr von Angriffen Drohnen eingesetzt werden. Diese können lange Flüge absolvieren und verfügen über die technischen Möglichkeiten, die Überwachung zu verbessern und zum Beispiel Warnschüsse bei Piratenangriffen abzugeben.

    Um das Problem bei den Wurzeln zu packen, müsste den Menschen in Somalia nachhaltig geholfen werden. Aktuell sehen wir an der grauenhaften Hungersnot in der Region, dass durch die rivalisierenden Bürgerkriegsgruppen die Hilfe der Welt nicht dahin gelangt, wo sie gebraucht wird. Hier ist nicht nur humanitäre Hilfe gefordert.

Weiterlesen:
» Kapitel 1: Die Piraten wollten wissen, wie der Motor angeht
» Kapitel 2: Projektil auf dem Kopfkissen eines Matrosen

 
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